Doch auch das Team überzeugte am Tag der Arbeit mit einer geschlossenen, starken Leistung. Über die gesamten 60 Minuten war kaum ein Unterschied zwischen dem Aufstiegsaspiranten und dem abstiegsbedrohten Team zu erkennen. Ein besonderes Lob gebührt zudem Trainer Mark Schmetz, dessen Matchplan voll aufging. Dieser überhaupt erste Auswärtserfolg der HSG in ihrer Zweitligageschichte war zugleich beste Werbung für das kommende Heimspiel am Sonntag, 10. Mai, um 17 Uhr gegen den Tabellenzweiten Balingen.
Trotz der langen Anreise am Spieltag starteten die Eagles hellwach in diese anspruchsvolle Auswärtspartie. Wie erwartet ersetzte Lars Jagieniak den verletzten Matija Mircic im Innenblock, ansonsten vertraute Trainer Mark Schmetz auf die gewohnte Startformation. Vom Anwurf weg überraschte er die Gastgeber mit der 7-gegen-6-Taktik, die hervorragend funktionierte. Die Hausherren verpassten dabei gleich dreimal die Chance, ins leere Tor zu treffen. Lediglich beim Stand von 6:6 war die HSG in der ersten Halbzeit nur einmal nicht in Führung, die zur Pause mit 16:14 hochverdient war. Die ersten 30 Minuten standen ganz im Zeichen der Torhüter: Pau Guitart lag im direkten Vergleich mit Dresdens Robin Cantegrei mit 11:8-Paraden vorne.
Auch in die zweite Halbzeit startete der spanische Schlussmann stark und parierte direkt den ersten Wurf der Gastgeber. Nach zwei Fehlwürfen und einem vergebenen Siebenmeter gelang Dresden zwar der Ausgleich, doch die Eagles blieben ihrer Linie treu. Gestützt auf weitere Paraden von Pau Guitart erspielte sich die HSG bis zur 42. Minute eine Drei-Tore-Führung. Dresdens Trainer André Haber reagierte mit einer Auszeit und brachte vor allem den Angriff seiner Mannschaft wieder in Schwung. Nachdem die HSG zwischenzeitlich mit vier Toren geführt hatte, verkürzten die Gastgeber auf 20:22. Die Eagles bewahrten jedoch Ruhe und setzten sich in der 51. Minute sogar auf fünf Treffer ab.
In der Schlussphase nahm Dresdens Coach eine weitere Auszeit, zunächst ohne Wirkung. Robert Krass erhöhte auf 26:20. Doch der Tabellendritte warf in der Crunchtime noch einmal alles in die Waagschale. Drei Minuten vor dem Ende musste Lukas Siegler eine Zeitstrafe hinnehmen, zudem verwandelte Dresden einen Siebenmeter zum 25:28. Der Vorsprung begann zu schmelzen: 34 Sekunden vor Schluss lag die HSG nur noch mit einem Tor in Führung. Eine Sekunde vor dem Abpfiff erhielten die Hausherren noch einen letzten Freiwurf aus zwölf Metern. Doruk Pahlivan versuchte es mit einem Schlagwurf durch die Mauer – doch erneut war Pau Guitart zur Stelle und sicherte mit seiner Parade den umjubelten Auswärtssieg. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff stürmten seine Mitspieler auf den Torhüter zu und feierten gemeinsam den Erfolg.
Der Sportliche Leiter Stefan Meler sagte nach dem Spiel: “Wir sind alle sehr glücklich. Wir waren am Ende nassgeschwitzt. Das 7-gegen-6 haben wir gut gespielt. Das war der richtige Kniff von unserem Trainer. Pau Guitart war überragend. Die Qualität der Paraden war großartig und kamen immer, wenn wir sie gebraucht haben. Die Mannschaft hat auch überragend verteidigt. Offensiv gab es Licht und Schatten. Aber auch als Jörn Persson, Robert Krass und Julius Rose ins Spiel kamen, haben sie ihre guten Aktionen gehabt.”
Trainer Mark Schmetz sagte nach dem Spiel: “Für uns sind das absolut goldene Punkte. Wir waren schon in anderen Auswärtsspielen gegen Top-Mannschften immer nahe dran. Heute hat die Mannschaft alles optimal umgesetzt. Wir wollten kompakt stehen und im Neunmeter-Bereich gut verteidigen. Wir hatten besonders in der 1. Halbzeit einen Weltklassemann im Tor. Weil wir gegen die Brocken in der Dresdner Abwehr nicht die 1-gegen-1-Spieler haben, wollten wir mit dem siebten Feldspieler mehr Bewegung in den Angriff bekommen. In der Pause haben wird gesagt, mir müssen daran glauben, das hier was geht.”
Dresdens Trainer André Haber wirkte hinterher fassungslos: “Ich kann mich in meinen 14 Jahren als Trainer nicht daran erinnern, dass meine Mannschaft gegen den Torwart plus aufs leere Tor 31 Fehlwürfe hatte. Das ist im negativen Sinne schon historisch.”
HSG: Guitart, Rüspeler – Kix (2), Krass (2), Kolodziej (4/3), Klasmann, Schneider (6), Siegler (1), Schulz, Marquardt, Braun, Michalski (4), Jagieniak, Persson (3), Ingenpaß (3), Rose (3). Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies.
Tickets für das Heimspiel gegen HBW Balingen-Weilstetten am Sonntag, 10 Mai, 17 Uhr, sind online unter: https://tickets.hsg-krefeld-niederrhein.de und an der Abendkasse erhältlich.