Fall Nordhorn: Beschwerdeverfahren eingeleitet

HSG Krefeld Niederrhein leitet Beschwerdeverfahren im Zusammenhang mit der Lizenz-Erteilung zugunsten der HSG Nordhorn-Lingen für die Saison 2026/2027 ein.

Dienstag, 28. Juli 2026

Die HSG Krefeld Handball Spielbetriebs- & Marketing GmbH hat kurzfristig ein Beschwerdeverfahren aufgrund der durch die HSG Nordhorn-Lingen mutmaßlich erschlichenen Lizenz-Erteilung für die Saison 2026/2027 in der 2. Bundesliga eingeleitet. Nicht zuletzt, um die Chance einer Zulassung zum Ligabetrieb in der Saison 2026/2027 zu wahren, hat die Geschäftsführung – vertreten durch ihre anwaltlichen Berater Helge Olaf Käding und Dr. Michael Kintrup – unter anderem eine Beschwerde gegen die Lizenzerteilung zugunsten der HSG Nordhorn-Lingen eingelegt. Verbunden damit hat der Club Akteneinsicht in das Lizenzierungsverfahren der HSG Nordhorn-Lingen für die Saison 2026/2027 beantragt.

Schwerwiegender Manipulationsverdacht gegen die HSG Nordhorn-Lingen

Bereits auf Basis der aktuell öffentlich verfügbaren Informationen stellt sich für die HSG Krefeld Niederrhein, die bislang keine Einsicht in die Lizenzierungsunterlagen hat, der Sachverhalt wie folgt dar:Die Analyse der Bilanzen der HSG Nordhorn-Lingen GmbH belegt eine dramatische wirtschaftliche Fehlentwicklung. Allein zwischen dem 30. Juni 2024 und dem 30. Juni 2025 erhöhte sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag von rund 156.000 EUR auf fast 779.000 EUR – eine Verfünffachung.

Gleichzeitig stiegen die passiven Rechnungsabgrenzungsposten, die erfahrungsgemäß im Wesentlichen vorgezogene Sponsorenzahlungen aus dem kommenden Geschäftsjahr ausweisen, von gut 92.000 EUR auf über 661.000 EUR. Aufgrund des vorläufigen Lagebildes bestehen gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die HSG Nordhorn-Lingen für das Spieljahr 2025/2026 vergleichbar agiert hat.Es bestehen daher nach vorläufigen Erkenntnissen aus Sicht der HSG Krefeld Niederrhein Verdachtsmomente für folgenden Sachverhalt: Die Geschäftsführung der HSG Nordhorn-Lingen GmbH hat mutmaßlich eine Art „Schneeballsystem“ betrieben, indem man Sponsorenerlöse aus dem jeweiligen Folgejahr vorgezogen hat, um so Liquiditätslücken zu stopfen. Dies hätte einen erhöhten Liquiditätsbedarf für die nächste Saison zur Folge gehabt. Dies gilt umso mehr, wenn auch die Spielzeit 2025/2026 mit einem operativen Verlust abgeschlossen wurde, wie es in 2024/2025 unstrittig der Fall war (die Zahlen für 2025/2026 sind der HSG Krefeld Niederrhein noch nicht bekannt). Um überhaupt eine realistische Chance auf Erteilung der Lizenz zu haben, hat man dann vermutlich „Luftumsätze” in die Lizenzierungsunterlagen aufgenommen – mit dem Ziel, die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschleiern. Der Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen GmbH hat gegenüber Medien mittlerweile selbst öffentlich zugegeben, dass im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens mit Zahlen gearbeitet wurde, „die in der Realität leider nicht umsetzbar sind“. Auch der Pressemitteilung der Lizenzierungskommission vom 22. Juli 2026 ist zu entnehmen, „dass nach heutigem Kenntnisstand nicht unerhebliche Abweichungen gegenüber dem im Frühjahr 2026 von dem HSG Nordhorn e.V. im Lizenzierungsverfahren für die Saison 2026/2027 gemachten Angaben bestehen.“

Aus Sicht der HSG Krefeld Niederrhein ist nur so zu erklären, dass das Kartenhaus nach nur 17 Tagen der Saison 2026/2027 einstürzte, sodass die HSG Nordhorn Lingen keine andere Möglichkeit mehr sah, als ihre existenzielle, wirtschaftliche Notlage publik zu machen.

Begründete Zweifel an Vorgehen der Lizenzierungs-Kommission

Ob und inwieweit die Lizenzierungskommission, die die Lizenz auflagen- und bedingungsfrei erteilt hat, pflichtgemäß gehandelt hat, kann die HSG Krefeld Niederrhein gegenwärtig noch nicht abschließend beurteilen und hat auch zu diesem Zweck Einsicht in die Akten des Lizenzierungsverfahrens der HSG Nordhorn-Lingen beantragt.

Stand jetzt ist für die HSG Krefeld Niederrhein allerdings nicht nachvollziehbar, weshalb ein Lizenzbewerber, der mutmaßlich falsche Angaben im Lizenzantrag gemacht hat, eine goldene Brücke der Lizenzierungskommission erhält, um seine Verfehlungen noch bis kurz vor Saisonstart zu heilen, während alle anderen Lizenzclubs „ihre Hausgaben“ fristgerecht erfüllt haben. Das widerstrebt dem Gedanken der Solidarität der Lizenzclubs und des fairen Wettbewerbs.

HSG Krefeld Niederrhein weiterhin zum Dialog bereit

Die HSG Krefeld Niederrhein hat der HBL signalisiert, dass sie für eine einvernehmliche Lösung jederzeit offen ist, zum Schutz ihrer rechtlichen Interessen allerdings alle denkbaren rechtlichen Schritte einleiten muss und wird.