“Ich hoffe auf eine schnelle Rückkehr in die 2. Bundesliga”

Simon Krivec leitet als Vorstandsvorsitzender des Vereins die Geschicke des Handball-Drittligisten HSG Krefeld Niederrhein. Der 39-jährige Apotheker und Unternehmer im Gesundheitsbereich sorgt maßgeblich für die positive Entwicklung des Klubs. Im Interview blickt er auf die Zweitliga-Saison zurück und schildert seinen Ausblick auf die kommende Drittliga-Spielzeit.

Mittwoch, 26. Aug. 2026
Für Simon Krivec ist das Spiel in der Yayla-Arena ein wichtiger Bestandteil der Saison. Foto: samla

Herr Krivec: Was bleibt bei Ihnen stärker hängen – die Enttäuschung über den Abstieg oder der Stolz darüber, dass die HSG überhaupt wieder in der 2. Bundesliga gespielt hat?

 

Krivec: Natürlich hat zunächst die Enttäuschung überwogen, als am vorletzten Spieltag feststand, dass wir den Abstieg sportlich nicht mehr verhindern können. Mit etwas Abstand überwiegt aber auch der Stolz. Entgegen vielen Expertenmeinungen und trotz mancher kritischen Stimmen haben wir den Kampf um den Klassenerhalt bis zuletzt offengehalten.

 

Wo sehen Sie rückblickend die entscheidenden Gründe dafür, dass es sportlich nicht zum Klassenerhalt gereicht hat?

 

Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch die Aufstiegsregelung und den späten Zeitpunkt, zu dem der Aufstieg endgültig feststeht, hat man es als Aufsteiger grundsätzlich schwer. Der Spielermarkt ist dann weitgehend leergefegt, die Vorbereitungszeit ist extrem kurz und natürlich gilt es auch, finanzielle und organisatorische Hürden zu überwinden. Gerade in der Hinrunde hat uns in einigen engen Spielen zudem die nötige Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Dort hätten wir mehr Punkte holen müssen. In Kombination mit unseren großen Verletzungssorgen hat das am Ende dazu geführt, dass uns die entscheidenden Punkte für den Klassenerhalt gefehlt haben.

 

Was haben Sie als Verein aus diesem Zweitliga-Jahr gelernt, das Ihnen jetzt in der 3. Liga helfen wird?

 

Krivec: Wir haben – auch im Vergleich zu unserer Zweitligasaison 2019/2020 – eine noch einmal deutlich stärkere 2. Bundesliga mit einer enormen Leistungsdichte erlebt. Kleine Fehler und kurze Schwächephasen werden auf diesem Niveau unmittelbar bestraft. Das haben wir teilweise leidvoll erfahren.

Gleichzeitig haben wir als Mannschaft und als Verein viel gelernt – insbesondere darüber, mit Drucksituationen umzugehen. Diese Erfahrungen nehmen wir mit und gehen dadurch gestärkt in die kommende Drittligasaison.

 

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die neue Saison: Ist die 3. Liga für Sie vor allem ein Rückschlag oder eine Chance für einen Neustart?

 

Natürlich hätten wir uns alle den Klassenerhalt gewünscht – so schwierig dieses Ziel auch war. Aber Aufgeben ist für uns keine Option. Wir lernen stetig dazu und begreifen die neue Saison als Neustart mit einem klaren Ziel: Wir wollen wieder hoch. Der Anspruch ist klar: Die HSG möchte möglichst schnell zurück in die 2. Bundesliga.

 

Wie groß ist der Druck, dass der direkte Wiederaufstieg tatsächlich gelingt?

 

Krivec: Zunächst einmal sind wir nur knapp am Klassenerhalt gescheitert. Aufgrund der Leistungen, insbesondere in der Rückrunde, gehören wir zwangsläufig zum Kreis der Aufstiegsfavoriten. Das erzeugt natürlich eine entsprechende Erwartungshaltung, der wir uns stellen müssen und auch stellen werden. Der Druck ist also da. Aber er lähmt uns nicht. Im Gegenteil: Wir nehmen ihn als Ansporn.

 

Ist der Kader aus Ihrer Sicht stark genug, um dieses Ziel zu erreichen?

 

Krivec: Ganz klar: ja. Durch den Abstieg sind unsere finanziellen Möglichkeiten allerdings deutlich geringer geworden, sodass wir gezwungen waren, Veränderungen am Kader vorzunehmen. Wir haben intern sehr intensiv darüber diskutiert, welche Weichen wir stellen müssen. Am Ende haben wir uns bewusst dafür entschieden, den Kader zu verkleinern, um bei der sportlichen Leistungsfähigkeit möglichst keine Abstriche machen zu müssen. Kurzum: Qualität vor Quantität.

 

Die Süd-West-Staffel ist regional interessant, aber sportlich sicherlich kein Selbstläufer. Wie schätzen Sie die Stärke der Liga ein?

 

Krivec: Die Süd-West-Staffel ist nach meinem Dafürhalten in der Breite die stärkste der vier Staffeln. Mit Gelnhausen und Saarlouis sind zwei Mannschaften dabei, die bereits in der vergangenen Saison in der Aufstiegsrunde eine gute Rolle gespielt haben. Insbesondere Saarlouis hat das Ziel 2. Liga klar formuliert. Aber auch den Longericher SC und die HSG Hanau darf man keinesfalls unterschätzen. Ich erwarte diese vier Mannschaften gemeinsam mit uns im Kampf um die vorderen Plätze.

 

Was muss in dieser Saison besser funktionieren als im vergangenen Jahr?

 

Wir dürfen uns keine längeren Schwächephasen mehr erlauben, wie beispielsweise im Spätherbst der vergangenen Saison, als wir über mehrere Wochen spielerisch nicht überzeugen konnten. Gerade wenn man ganz oben mitspielen möchte, braucht es über die gesamte Saison hinweg eine hohe Konstanz. Und nicht zuletzt aufgrund unseres kleineren Kaders wünsche ich uns natürlich eine möglichst verletzungsfreie Saison.

 

Ist ein sofortiger Wiederaufstieg alternativlos – oder würden Sie auch mit einer mehrjährigen Entwicklung in der 3. Liga leben können?

 

Krivec: Ich wehre mich grundsätzlich dagegen, sportliche Ziele als alternativlos zu bezeichnen. Erfolg im Sport ist immer nur bis zu einem gewissen Grad planbar. Selbstverständlich würde ein mehrjähriger Verbleib in der 3. Liga Herausforderungen mit sich bringen, denen wir uns dann stellen müssten. Aber ich bleibe Berufsoptimist und hoffe auf eine Schnelle Rückkehr in die 2.HBL.

 

Wie sieht die wirtschaftliche Zielsetzung für die kommende Saison aus: Muss der Verein mit einem geringeren Budget auskommen oder soll der Etat weitgehend stabil bleiben?

 

Krivec: Wie bereits angesprochen, sind durch den Abstieg erhebliche Einnahmen weggebrochen. Allein bei den TV-Erlösen sprechen wir über einen sechsstelligen Betrag. Hinzu kommen vereinbarungsgemäße Kürzungen bei Sponsorengeldern. Da wir zudem weniger Heimspieltage haben werden, macht sich der Abstieg auch bei den Ticketing- und Cateringeinnahmen bemerkbar. Unter dem Strich ist unser Etat um rund 400.000 Euro gesunken. Darauf mussten und haben wir entsprechend reagiert.

 

Wie haben Ihre Sponsoren auf den Abstieg reagiert? Gab es Verständnis, Enttäuschung oder auch die Sorge, dass die Attraktivität der HSG als Werbepartner sinkt?

 

Krivec: Hier erleben wir durchaus unterschiedliche Reaktionen. Aus Marketingsicht ist das Produkt 2. Bundesliga natürlich attraktiver. Gleichzeitig schätzen unsere Partner aber sehr, dass wir bei der HSG stets mit Augenmaß handeln und sportlichen Erfolg nicht auf wirtschaftlichen Luftschlössern aufbauen. Zu einem seriösen und nachhaltigen Weg gehört auch, dass man sportliche Rückschläge verkraften kann. Ein Abstieg ist schmerzhaft, darf aber nicht die wirtschaftliche Stabilität des Vereins gefährden.

 

Konnten alle wichtigen Sponsoren gehalten werden?

 

Krivec: Wir konnten mehr als 90 Prozent unserer Sponsoren halten. Gerade nach einem Abstieg ist das ein starkes Signal und lässt uns positiv in die Zukunft blicken.

 

Wie schwierig ist es derzeit, neue Sponsoren für einen Drittligisten zu gewinnen?

 

Krivec: Man muss klar sagen, dass das gesamtwirtschaftliche Umfeld in Deutschland die Sponsorensuche derzeit ohnehin nicht einfacher macht. In Kombination mit dem sportlichen Abstieg ist die Aufgabe entsprechend anspruchsvoll.

Dennoch führen wir viele gute Gespräche und sind optimistisch, das Projekt HSG wirtschaftlich und partnerschaftlich auf immer breitere Füße stellen zu können.

 

Welche Bedeutung haben die Heimspiele In der Yayla-Arena für die Sponsorenakquise?

 

Krivec: Die Heimspiele in der Yayla-Arena bieten uns die Möglichkeit, auch Unternehmen und potenzielle Partner außerhalb des klassischen Handballumfelds anzusprechen und ihnen unsere Vision für den Handball in Krefeld und am Niederrhein zu präsentieren. Rein wirtschaftlich betrachtet sind diese einzelnen Spieltage für uns häufig noch ein Verlustgeschäft, weil die entstehenden Kosten in der Arena die unmittelbaren Einnahmen übersteigen. Wir betrachten diese Veranstaltungen deshalb bewusst als Investition in die Zukunft und in die weitere Entwicklung der Marke HSG.

 

Welche Rolle spielt die Jugendarbeit für die langfristige Strategie der HSG?

 

Krivec: Ohne Jugend kein Spitzensport – so einfach ist für uns die Grundüberzeugung. Vor diesem Hintergrund sind wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Kooperationen eingegangen und haben unsere Strukturen Schritt für Schritt weiterentwickelt. Die ersten Früchte dieser Arbeit können wir bereits ernten. Gleichzeitig wissen wir, dass in diesem Bereich noch erhebliches Entwicklungspotenzial steckt. Deshalb wird die Nachwuchsarbeit auch künftig ein zentraler Baustein unserer langfristigen Strategie sein.

 

Die HSG hat sich in den vergangenen Jahren sportlich und organisatorisch stark entwickelt. Wo sehen Sie den Verein heute im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als Sie den Vorsitz übernommen haben?

 

Krivec: Wir haben über die Jahre ein wirtschaftliches Fundament geschaffen, das uns ermöglicht, ruhig und nachhaltig zu arbeiten. Der Etat hat sich in dieser Zeit etwa vervierfacht, der Zuschauerschnitt bei unseren Heimspielen ungefähr verdoppelt. Hinzu kommen die bereits angesprochenen Highlightspiele in der Yayla-Arena und eine deutlich gestiegene Medienpräsenz. All das hat dazu beigetragen, die HSG zu einer positiv besetzten Marke mit überregionaler Strahlkraft zu entwickeln. Mir ist dabei aber wichtig: Das ist ausdrücklich nicht das Verdienst einer einzelnen Person. Diese Entwicklung war und ist nur mit einem starken Team von Mitstreitern und großem gegenseitigem Vertrauen möglich. Wir ziehen bei der HSG alle am gleichen Strang.

 

Wann spielt die HSG Krefeld Niederrhein wieder in der 2. Bundesliga?

 

Krivec: Wenn alles so läuft, wie wir es uns wünschen: im Sommer 2027!